Erfahrungsberichte

Mit unzähligen Eindrücken, wertvollen Erfahrungen, Erlebnissen und bereichernden Begegnungen kehren die Volontäre in ihre Heimat und ihr Leben in europäischen Gefilden zurück. Viele sehen den Alltag hier in Deutschland nach einem mehrmonatigen Einsatz an der Schule in Kenia differenzierter und mit anderen Augen. Was früher als selbstverständlich angesehen wurde, wird jetzt dankbarer, bewußter wahrgenommen und viel mehr geschätzt. Der Blick aufs Leben kann sich verändern, Wichtiges wird von Unwichtigem klarer getrennt, und die jungen Menschen gehen oft gestärkter in ihr eigenes Lebens zurück, so die Rückmeldungen einiger Volontäre.

Lesen Sie hier von den Erfahrungen und Erlebnissen:

 

Oktober 2014

Erfahrungen fürs Leben – Ein Halbzeitbericht von Alina und Laura

Nach dem Abitur die Welt entdecken – das ist der Traum vieler Jugendlicher. Einen Einblick in die Kultur und das Leben der Menschen eines völlig anderen Landes zu gewinnen, Freundschaften zu schließen, sich selbst zu entdecken oder sogar auf die Probe zu stellen. Für uns, Laura und Alina, ging die Reise Ende August nach Mtwapa, Kenia, zur Albstadt Helping Hands Community School. Ein Ort, der den ärmsten und bedürftigsten Kindern Sicherheit bietet, Bildung schenkt und zwei geregelte Mahlzeiten am Tag garantiert.

 

Noch nie zuvor ein solches Land bereist und daher nur an europäische Gegebenheiten gewöhnt, waren wir bei unserer Ankunft schockiert von den herrschenden Straßenverhältnissen und Lebensumständen. Als dann aber am nächsten Morgen die heiße kenianische Sonne über dem wunderschön angelegten Schulgarten und den traumhaften Palmen stand, sah die Welt schon ganz anders aus. Mit einer unvergleichlichen Herzlichkeit wurden wir von allen Schülern aufgenommen und willkommen geheißen. Umzingelt von all den glücklichen und aufgeweckten Kindern, für die wir als „Mzungos“ – die Kiswahili Bezeichnung für „Europäer“ – sehr interessant und faszinierend sind, fühlten wir uns sofort wohl.

Schnell fanden wir heraus, wie wir uns hier am besten einbringen können. Während wir vormittags mit Deutsch-, Mathe- und Leseunterricht fest im Stundenplan der Schüler verankert sind, findet sich am Nachmittag und zwischen Unterrichtsstunden Zeit für kreative Projekte, wie bunte Handabdrücke mit den Kindergartenkindern oder Sport und Spiel auf dem großen Feld.

 

Außerdem helfen wir Ordnung in der Bücherei zu bewahren oder sind für die Schüler da, um Fragen zu beantworten und sie bei den Hausaufgaben zu unterstützen. Die Arbeit mit den Kindern bereitet uns viel Freude, da sie unheimlich lernbereit, ehrgeizig und dankbar sind. Sie kommen auf uns zu, um von uns zu lernen und es ist ein erfüllendes Gefühl, ihnen helfen zu können. Für die Schüler ist es etwas ganz besonderes, ein Geschenk Gottes, Lernen zu dürfen.

Auch wir nehmen viel von unserer Zeit hier mit und lernen fürs Leben. An all das, was uns bei unserer Ankunft schockierte, haben wir uns schnell gewöhnt und sind nun eher fasziniert von der Lebensfreude und Gelassenheit der Kenianer, trotz der harten Bedingungen. Dies regt uns immer wieder zum Nachdenken an, da wir in ihren Augen alles und noch viel mehr haben, um ein glückliches und zufriedenes Leben führen zu können. Leider sind wir uns dessen nicht bewusst und wissen meist nicht zu schätzen, wie gut es uns geht.

 

Von den Kindern lernen wir, dass es jeder verdient, anerkannt und wertgeschätzt zu werden. Es ist ein unbeschreiblich schönes Gefühl, auf den Straßen Mtwapas von ihnen erkannt und gerufen zu werden, gedrückt oder bei der Hand genommen zu werden. Die kenianische Offenheit und Gastfreundlichkeit erfahren wir außerdem immer, wenn wir spontan eingeladen werden und völlig unkompliziert mit der ganzen Familie beisammen sitzen, gemeinsam kochen, essen, plaudern und singen.

 

Bei dieser Fülle an Eindrücken und neu gewonnen Erkenntnissen sowie dem freundschaftlichen Miteinander, in das wir sofort integriert wurden, verflog die Zeit regelrecht, sodass nun schon die Hälfte unserer drei Monate vergangen ist. Wir sind sehr glücklich und dankbar, all diese Erfahrungen hier machen zu dürfen und die afrikanische Kultur auf eine ganz besondere Weise zu erleben.

April 2014 – Bericht von Sophia

Schon immer war es mein Traum, nach dem Abitur ein soziales Projekt in Afrika zu unterstützen. Über das Internet wurde ich auf den gemeinnützigen Verein „Albstadt Helping Hands Community School e. V.“ aufmerksam, der sofort mein Interesse weckte. Nach einem 2-tägigen Vorbereitungstreffen in Linz/Österreich bei John und Dr. Sonja Horsewood, flog ich am 16. September 2013 für 6 Monate nach Mombasa.

Schon während der Fahrt vom Flughafen an die „Albstadt Helping Hands Community School e. V.“ in Mtwapa überwältigten mich die ersten Eindrücke Kenias. Sandige, unebene Straßen, Affen, die die Straßen überquerten, Lärm, Staub und unglaubliche Menschenmassen, aber auch lachende, winkende Kinder – und natürlich die Hitze der afrikanischen Sonne.

 

An der Schule angekommen, wurde ich freudig und herzlich begrüßt. In den ersten Tagen schaute ich mir zunächst einmal den Schulalltag an. Schon beim Betreten der Klassenzimmer freuten sich die Kinder sehr, eine neue Volontärin an der Schule begrüßen zu dürfen, und sie warteten neugierig und gespannt auf den Unterricht mit mir. Mein Tag begann morgens im Kindergarten, wobei ich mich zuerst einmal daran gewöhnen musste, dass der afrikanische Kindergarten nicht mit einem deutschen Kindergarten zu vergleichen ist. Die Kinder sind in verschiedene Altersgruppen eingeteilt und werden nach einem festen Stundenplan unterrichtet. Sie lernen lesen und schreiben, das Spielen kommt dabei leider oft zu kurz. So nahm ich mir dies zur Aufgabe und versuchte vor allem, das gemeinsame Spielen und Basteln mit den Kindern zu fördern. Mit Begeisterung und leuchtenden Augen wurden sofort die Wasserfarben und die neuen Spiele ausprobiert. Da die kenianischen Kinder mit Eintritt in die 1. Klasse das Lesen und Schreiben bereits beherrschen müssen, übte ich – ungestört außerhalb des Klassenzimmers – gezielt das Lesen mit einzelnen Kindern, die hierbei noch Schwierigkeiten hatten.

Das Mittagessen nahmen wir Volontäre immer gemeinsam mit den Lehrern im Lehrerzimmer ein.  Die Schüler aßen unter dem Makuti oder suchten sich einen geeigneten Platz zum Essen.

Am Nachmittag unterrichtete ich Deutsch in den Klassen 4-7. Da die Kinder schon sehnsüchtig auf eine Volontärin gewartet hatten, die wieder Deutsch unterrichtet, freuten sie sich riesig auf den Deutschunterricht. Ihre Begeisterung erleichterte mir diese für mich neue und ungewohnte Aufgabe enorm, und ich fand sofort Gefallen an den Deutschstunden. Vor allem freuten sich die Schüler, wenn man mit ihnen etwas spielerisch erlernte; ein deutsches Lied mit ihnen sang und dazu tanzte. Schnell wurde es zur Selbstverständlichkeit, dass die Kinder mich schon vor dem Klassenzimmer mit strahlenden Gesichtern erwarteten und so schnell als möglich auf ihre Plätze eilten, um mir beim Betreten des Klassenzimmers ein freudiges ‚Guten Mittag Madame Sophie‘ entgegen zu rufen. Nach dem Nachmittagsunterricht werden für die Kinder an der Schule verschiedene Clubs angeboten. Dabei spielte ich mit ein paar Kindern Fußball und versuchte mich an ein paar Trainingseinheiten. Nach einiger Zeit unterrichtete ich Blockflöte, was den Kindern und mir sehr viel Freude bereitete, da es für uns alle etwas komplett Neues war. Für die Kinder wurde ständig etwas Neues nach der Schule geboten, sei es ein kleiner Marathonlauf, Geburtstagsfeiern oder sonstige besondere Feste. Schon nach kurzer Zeit wurde mir bewusst, warum die Kinder so gerne hierher kommen. Diese Schule ist für die Kinder ein Ort des Friedens und des Glücks von dem sie gar nicht mehr weg wollen. So fielen Verabschiedungen vor dem Wochenende immer sehr innig und intensiv aus, die Kinder versuchten so lange als möglich an der Schule zu bleiben. Umso mehr freuten sie sich, wenn sie mich dann während des Wochenendes auf den Straßen zufällig trafen. Das Wochenende verbrachte ich mit Anna und David, zwei weiteren Volontären, die zur gleichen Zeit mit mir an der Schule waren. Gemeinsam unternahmen wir Ausflüge ans Meer, besichtigten Mombasa und erkundeten die nähere Umgebung. Hierbei konnten wir die Freundlichkeit und Offenheit der kenianischen Menschen im kulturellen Austausch erfahren.

 

Da die Schule von Mitte November bis Anfang Januar aufgrund der großen Ferien geschlossen war, halfen wir in dieser Zeit bei dem Bau der High School, die bis Februar 2014 fertig sein sollte. Auch die Häuser für die neuen High School Lehrer wurden renoviert und umgebaut. Da wir zwischen-zeitlich mitbekommen haben, wie gern die Kinder hier in der Schule kommen, haben wir für ein paar Kinder einen Holiday Club – sogenannte Ferienspiele – angeboten. Eine Woche lang spielten wir mit den Kindern verschiedene Spiele, machten Puzzles, bemalten Leinwände, schauten Filme, backten kenianische Spezialitäten und hatten jede Menge Spaß zusammen. Diese Woche hat mir vor allem gezeigt mit wie wenig sich die Kinder hier zufrieden geben. Bei uns in Deutschland hingegen werden die Erwartungen an Spiele oft sehr hoch gesetzt. Und hier zaubert man schon mit ‚Mensch ärgere Dich nicht‘ und ‚Topfschlagen‘ den Kindern ein Lachen ins Gesicht. Mit dem Ferienanfang gingen auch die High School Arbeiten in die letzte Runde, so halfen wir noch kräftig mit, damit alles pünktlich bis zum Februar fertig wurde. Dort fand dann die große Eröffnungsfeier statt, die für uns alle sehr beeindruckend war (siehe Fotos in der Fotogalerie „High  School“). Mit Tanz, Gesang aber auch vielen Reden wurde die neue High School eingeweiht. Die letzten Monate meines Aufenthalts verbrachte ich nun wieder wie zu Beginn im Kindergarten. Ich lehrte die Kinder anhand selbst gebastelter Uhren die Zeit und übte weiterhin das Lesen mit ihnen. Außerdem ging ich nun in Klasse 1 und unterstützte die Kinder mit Mathematikspielen im Rechnen. Die selbst gebastelten Rechenschieber halfen ihnen dabei sehr. Und immer wieder wurde mir bewusst, wie viel Spaß es den Kindern bereitete, Dinge auf eine andere Art und Weise zu erlernen. Die Zeit verging wie im Flug und schon war der 10. März 2014 gekommen, und es hieß für mich schweren Herzens Abschied zu nehmen.

Auch heute denke ich noch oft mit Freude und Sehnsucht an die unvergessliche Zeit in Kenia zurück. Vor allem vermisse ich den freudigen Gesang, die Herzlichkeit und das Lachen der Kinder, die trotz ihrer widrigen Lebensumstände eine solche Wärme ausstrahlen. Durch die Zeit in Kenia, wurde mir sehr bewusst, wie wenig man eigentlich braucht, um glücklich zu sein – aber auch wie wichtig das Recht auf Bildung ist. Ich bin sehr dankbar für all die Erfahrungen, die ich dort sammeln durfte und die mein Leben für immer prägen werden.